Quarantäne (April 2020)

Hab mich eingesperrt,
wie einen Schatz,
ich bin systemrelevant.
Das hat nur bisher niemand
wirklich anerkannt.

Ich harre aus
im kalten Stahl,
bis mich ein Prinz befreit.
Warte schon die dritte Woche,
wäre jetzt soweit.

Doch niemand kommt,
es wird stattdessen,
die Tür mir zugedrückt.

Ich harre aus,
hab Durst, will essen
und werd
geschützt verrückt.

Da rufts, ich hörs,
oder bild es mir ein:
„Ich werde für dich sorgen.
Es wird noch nicht zu Ende sein,
warte noch bis morgen.

Wir haben dich nicht vergessen.“

Am Tag darauf,
die Tür ist schwer,
lass ich hinaus den Blick.
Die Augen vertragen das Licht nicht mehr,
ich krieche schnell zurück.

Nur ein Jahr später,
man öffnet mir,
ich habe trübe Haut.
Bin nur noch ein Menschentier,
das man schnell verbaut.

Stehe nun am Technik-Band,
schieb Sachen hin und her,
pack Zuckerbrot in den Versand,
nach Freiheit
frag ich nicht mehr.

(aus dem Zyklus: Gedichte aus der Krise)

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