Verbinden nicht trennen

Ich habe seit Wochen die öffentlich-rechtlichen Medien, den Mainstream und auch die News der sozialen Plattformen vermieden. Immer neue Bestimmungen und Verordnungen, zeitfressende Diskussionen um Zahlen und Pläne und die schwindende Hoffnung, dass endlich etwas passiert, was uns von dieser Pandemie befreit, haben mich ausgelaugt. Das große Grau macht sich breit, alles ist egal. So wie das Nichts in der Unendlichen Geschichte die Fantasie erstickt, tötet Corona die Seelen der Menschen. Jede weitere irrationale Maßnahme macht uns dumpfer. Wir schlucken auch noch diese und auch noch die morgige, denn das ist das Einzige, wozu noch Kraft da ist. Hinnehmen und Überleben. Allein im Schimpfen auf die Regierenden erstrahlen wir kurz, bevor wir anfangen, wieder Wein und Bier zu trinken, um den Gedanken an einen Aufstand der Menschen zu ersäufen wie ein kleines süßes Katzenbaby.

Schluss mit dem OK
„Es geht ja irgendwie – So schlimm ist es auch nicht – Wenigstens können wir arbeiten – Ich lasse mich impfen, damit ich wieder reisen kann!“

Wir rationalisieren die Dinge, die uns belasten. Wie Trauernde, denen gesagt wird: „Du kommst schon darüber weg“, trösten wir uns mit hohlen Phrasen. Dabei müssten wir, um weiterleben zu können, endlich wütend und traurig sein, uns verabschieden, von Durchhalteparolen und vom Gestern. Denn das Schlimmste an dieser Zeit ist, dass wir so tun, als wäre es nicht schlimm. Wir gaukeln uns in die Selbstverleugnung. Schluss damit.

Es bedarf statt der vielen Okays endlich rigoroser Verneinung. Nein zu der Idee, dass Kinder eine Gefahr sind. Nein zu dem Gedankengang, dass man Schuld am Tod anderer ist, weil man lebt. Nein zu staatlicher Bevormundung und dem Ende der Freiheit. Nein zu erzwungener Solidarität und Opfergaben für eine abstrakte Gesellschaft. Und aus der Verneinung erwächst das Ja zum Leben, zur Eigenverantwortung und zum Sein-lassen- des-Anderen, zum Meinungsaustausch, zum freien Atmen, zum Risiko des Lebens an sich und ja zur Vernunft.

Nieder mit den Mauern
Diese Zeit verlangt nach Entscheidungen, nach Forderungen eines jeden Einzelnen. Das Ausgeliefertsein an eine Politik, die Angst verbreitet und ihre Bürger mit immer undurchschaubaren Maßnahmen geißelt, ist nicht mehr als ein Gefühl. Ein schlechtes Gefühl, dem das Positive entgegengestellt werden muss. Die zwischenmenschlichen Mauern, entstanden durch Masken und Angst vor der Haltung des Anderen, gefertigt aus eigenem Leiden, das sich in Aggression verwandelt, müssen niedergerissen werden: Lächeln, auf die Schildbürgerei hinweisen, sich bedanken, freundlich sein, zusammen über den Unsinn lachen, zusammen Mensch sein. Und aus dieser neuen Verbundenheit heraus wird etwas entstehen, das Zukunft schaffen kann, eine Zukunft, die nicht am Reißbrett im Elfenbeinturm entstanden ist.


Autorin: Juliane Uhl

Foto: Marcus-Andreas Mohr

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