Im Unterschied zu Schnee

Die Straßen in Mitteldeutschland sind weiß, Schnee häuft sich an den Rändern, es knirscht und rauscht, wohin man tritt. Wer kann, bleibt zu Hause. Die Kälte schließt uns ein. All das, was die Regierung verordnet, macht der vernünftige Mensch nun von ganz allein, während er auf Grund des Corona-Virus nicht gern zu Haus bleibt und sich Schlupflöcher sucht. Denn im Unterschied zu Schnee sieht man Corona nicht. Die Gefahr von der es in den Medien schallt, ist für die meisten nicht sichtbar. Nur wenige haben tatsächlich einen Menschen an die Krankheit verloren, einige kennen Infizierte, einige mehr wissen von belastenden Zuständen in Heimen und Kliniken. Doch das Narrativ von der Pest hat sich nicht erfüllt, sonst wäre der Schnee auf Leichenberge gefallen, die unsere Straßen verstopften.

Nun kann man argumentieren, dass die unsichtbare Gefahr die gefährlichste sei und dass deshalb auf die Experten zu hören sei, die sie wahrnehmen könnten. Doch das erinnert ein wenig an Priester, die allein zwischen Sicht- und Unsichtbarem vermitteln können, zwischen Realität und Transzendenz. Doch wir haben das Glauben verlernt. Mit der Aufklärung haben wir die Augen geöffnet und wollen sehen, was sein soll. Können wir dies nicht, glauben wir nicht. Die vernünftige Wissenschaftsgesellschaft hat demnach erst den Zweifel im Menschen hervorgebracht, der nun keinen Raum mehr haben soll - weswegen die Zweifler beschimpft werden.

Der gesunde Menschenverstand hat seine eigenen Fühler und nimmt wahr, was er wahrnehmen kann. Bei allem anderen muss er glauben. Das verlangt Vertrauen. Doch spätestens nach den Enthüllungen der Welt am Sonntag zur Zusammenarbeit von Innenministerium und Forschungsstellen ist dieses Vertrauen schwer angeschlagen. Der Glaube weicht dem Zweifel. Und das ist gut so. Denn wenn der Schnee geschmolzen ist, werden wir mit den Folgen umgehen und Konsequenzen ziehen müssen.


Autorin: Juliane Uhl

 

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