Kunst und politische Korrektheit (Ein Gedankenfetzen)

Sicher habt ihr die Aufregung um die Schweizer Knetehaare (so nennt meine Tochter Dreadlocks) mitbekommen. Es ist so bescheuert, dass ich gar nicht näher drauf eingehen will.

Diskussionswürdig ist allenfalls, dass die politische Korrektheit, der Gehorsam gegenüber selbsternannten Opfervertretern (denn ich nehme an, dass in Bern nicht Jamaikaner protestiert haben, sondern weiße junge Menschen, die nichts Wichtigeres zu tun haben), das eigentliche Problem ist. Dieses Problem finden wir an vielen Stellen: Jemand meint, er vertrete die "Opfer" von Rassismus, Sexismus, Transphobie, etc. und brüllt vertretungsbeleidigt herum. Verbunden mit der Forderung das ihn i.V. Verletzende zu unterlassen, bläht er sich auf und betont einzig das Trennende.

Getrieben von dem Willen, politisch korrekt zu sein, bricht dann ein Veranstalter das Konzert ab oder beseitigt Bilder oder Redner, um diesen wenigen Beleidigten, deren Beleidigtsein eine lauter Schrei nach Liebe ist, zu genügen. So verhätschelt man trotzige Wohlstandskinder.

Kunst ist nicht möglich, wenn man politisch korrekt sein will. Kunst ist der einzige Hort totaler Freiheit. Um das wirklich zu leben, müssen Künstler wie die Band Lauwarm ihr Künstlerdasein verteidigen. Sie dienen nicht, sie erschaffen.

Auf die Kunst, auf die Freiheit und auf das Konzert von Horch, das ich jetzt gleich besuche, um den Musikanten kulturelle Aneignung vorzuwerfen. Schließlich sind das gar keine Menschen aus dem Mittelalter.

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